19.05-22.05. Der Limfjord ruft

19.05.2017 Freitag

Da ich den Luxus genieße freitags frei zu haben, starte ich schon einmal morgens per Zug nach Sylt. Andi bringt mich um 6 Uhr zum Bahnhof. Er fährt weiter ins Büro, während ich es mir im Abteil gemütlich mache. Nach Hamburg linst die Sonne durch die Wolken und macht sich breit.

Es sieht nach Urlaub aus und ich freue mich unbändig auf die vor uns liegende Woche. Erstmalig fühlte ich mich gestern beim Verlassen der Bank noch gar nicht urlaubsreif, liegen seit dem letzten Törn doch erst drei Wochen hinter uns.
Mein Plan sieht vor im Laufe des Nachmittags die Bettbezüge zu waschen/trocknen, einzukaufen und die Betten zu beziehen, um am Samstag morgen in der Früh ablegen zu können.
Die ersten drei Stunden laufen prima. Wäsche in die Waschmaschine gesteckt, gemächlich durch Hörnum geschlendert,  Robbe Willy Guten Tag gesagt, eine Kleinigkeit von der Fischbude gegessen, die wenigen Läden durchstöbert und ab in den Edeka, die notwendigen Lebensmittel besorgt.
Der Kühlschrank ist während unserer Abwesenheit repariert worden. Alle Zeichen stehen auf Start.
Zurück im Hafen fällt mir auf, dass die Wäsche nicht besonders gut geschleudert ist, aber unbekümmert stopfe ich alles in den Trockner. Ich habe ja Zeit…
Andi meldet sich vom Bahnhof, sein Zug hat Verspätung – noch mehr Zeit. Vor Mitternacht ist nicht mit ihm zu rechnen, es ist gerade mal 17 Uhr.
Später stelle ich fest, dass die Wäsche immer noch arg feucht ist. Ich habe ja Zeit, also werfe ich dem Trockner ein weiteres Mal 2,50 € in den Rachen und gehe etwas an den Strand.
Zurückgekehrt fühlt sich die Wäsche keinen Deut trockener an. So langsam mache ich mir Sorgen, ob die Betten bei Andis Ankunft tatsächlich bezogen sind. Sie sind es nicht. Glücklicherweise sind genügend Decken an Bord, wir basteln eine Alternative, hängen das Bettzeug im Salon auf und fallen in die Kojen. War ein langer Tag.

 

20.05.2017 Samstag/Sonntag

Herrlicher Sonnenschein – perfekter Wind. Um 10 Uhr machen wir uns bereit zum Ablegen. Jetzt geht es tatsächlich nach Dänemark zum Limfjord. Dort wollen wir den Rest der Woche verbringen. Die Wetterprognosen sind klasse, ich bin gespannt wie mir 30 bis 35 Stunden durchsteuern an Bord bekommen. Im Watt schlagen wir die Fock noch an und genießen dann den Tag, weit und breit nur Meer.

Wir sind allein, machen gute Fahrt, wir haben Spaß, ich bekomme einen kräftigen Sonnenbrand im Gesicht ohne es zu merken.
Abends flaut der Wind ab und wir müssen leider motoren. Den Sonnenuntergang muss Andi leider allein erleben, ich bin vorher schon eingenickt.

Irgendwann schickt er mich ins Bett.
Er hat mir eine Kuschelecke im Salon vorbereitet.
Gegen halb zwei werde ich wach und schaue nach ihm.
Er lässt sich alle 15 min wecken und ist guter Dinge – echtes Einhand-feeling.
Mir fällt auf, dass es relativ mild und auch gar nicht richtig dunkel ist. Trotzdem sieht man einen gigantischen Sternenhimmel. Merkwürdigerweise fehlt der Mond. Er geht erst später gegen vier Uhr auf. Andi berichtet kurz, dass er noch einmal Segel gesetzt hat, der Wind aber nach 10 min. bereits wieder eingeschlafen ist, schade. Ich kuschel mich wieder weg, Andi hat heißen Tee und Snacks, er wird durchhalten 🙂
Gegen halb fünf morgens, das erste Morgenrot zeigt sich bereits, tauschen wir und Andi darf ohne Wecker weiter schlafen. Den eigentlichen Sonnenaufgang bekommt er nicht mehr mit. Als er sich wieder dazugesellt, vergleichen wir unsere Bilder. Erstaunt stellen wir fest, Sonnenuntergang und -Aufgang unterscheiden sich nur durch die unterschiedlichen Seiten.


Mit der Sonne kommt auch wieder der Wind. Er pustet uns fein bis zum Eingang des Limfjords.

Wir überlegen welchen Hafen wir anfahren.
In Thyborøn riecht es arg nach Fisch und sieht eher industriell aus. Wir einigen uns auf die Marina Lemvig.
Im Fjord nimmt der Wind derart zu, dass wir fast zu schnell sind um die entsprechenden Einfahrten zu sehen.

Nach 30 Stunden und 160 Seemeilen machen wir fest. Die Gegend sieht fantastisch aus. Wir kochen noch, gehen ein paar Schritte, um uns zu orientieren und freuen uns auf den nächsten Tag.

 

22.05.2017 Montag

Die Sonne strahlt, wir frühstücken in der Plicht.
Anschließend radeln wir nach Lemvig By, um die Vorräte nachzufüllen. Der Ort wirkt heiter und gelassen. Wir lassen uns dazu hinreißen so einiges an Geld in den Läden dort zu lassen. Unsere Herzen machen Freudensprünge, weil alles sooo schön ist.

Erst gegen vier brechen wir erneut auf. Der Wind ist mager, wir beschließen den Gennaker zu setzen. Ich habe ihn noch nie in Fahrt gesehen und freue mich auf das große bunte Vorsegel.
Ungefähr ab da überschlagen sich die Dinge, aber das soll Andi erzählen…

 

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