17.-19.08.2017 Kiel

Nach dem unsanften Wecken durch den erbosten Fischer wird es Zeit sich langsam vom Urlaub zu verabschieden und nach Kiel zu segeln, wo wir für den Rest des Jahres einen Liegeplatz gebucht haben.
Da es anfangen soll zu regnen passt es ganz gut, dass wir gezwungenermaßen so früh aufstehen mussten, hoffen wir, auf diese Weise dem schlechten Wetter zuvorzukommen. Wir kommen gut voran und sind bald an der Kieler Förde. Wir segeln an wunderschön gelegenen Häfen vorbei. Hier hatten wir überall einen Liegeplatz angefragt, aber die Kieler scheinen selbst begeisterte Wassersportler zu sein. Man wollte uns maximal auf eine Warteliste setzen. Nicht das, was wir uns vorstellten. Je weiter wir in Richtung Kiel fahren umso hässlicher und industrieller wird es. Andi verspricht mir einen Super-Liegeplatz direkt an der Flaniermeile, so sei es ihm zugesagt worden. Mein Gesicht wird immer länger. Riesige alte verrostete Kähne kommen in Sicht und ich sehe mich schon zwischen schäbigen Schonern liegen. (Merkwürdigerweise kam es mir später mal auf der gleichen Strecke im Sonnenschein gar nicht so schrecklich vor.)

Aber es wird ganz hinten in der Bucht nochmal einen Tacken angenehmer, nicht gerade wundervoll, aber halt das Letzte was zu bekommen war.
Wir fahren in das Hafenbecken ein und wundern uns. Wir liegen direkt vor einem Ausflugslokal, Massen von Leuten wandeln vorbei und direkt hinter uns ist ein Anleger für Ausflugsboote. Das Volk um uns – alles andere als idyllisch.
Andi sucht derweilen den Stromanschluss. Hm – alle Plätze belegt, von den immerhin drei vorhandenen. Für uns keine Chance. Wir sind begeistert.
Gehen wir doch erstmal zum Hafenmeister. Sehr nett ist er – aber gute Nachrichten hat er nicht. Wir sollen eins der anderen Boote vom Strom nehmen, eines, das gerade nicht bewohnt ist. Sieht man ja auch sofort, ob die Crew gerade auf Landgang ist oder sich  grundsätzlich nicht an Bord befindet. Außerdem erzählt er uns, dass die Toiletten und Duschen vom Ausflugslokal zur Verfügung gestellt werden. Dieses sei aber nur bis 23 Uhr geöffnet. Wie bitte? – Und wohin sollen wir nachts? Die nächsten Möglichkeiten sind recht weit entfernt. Ist ja super.
Zurück an Bord stellen wir fest, dass das Volk tatsächlich Volk ist. Mir graut es davor, unsere Fahrräder hier auszupacken. Ich vermute, dass wir sie nicht mehr wiederfinden, wenn wir zurückkommen. Nein – so richtig wohl fühlen wir uns nicht. Da wird wohl noch ein Wörtchen mit der Verwaltung zu sprechen sein. Andi hätte ja auch gern in der gesamten Liegezeit wenigstens Erhaltungsstrom. Wir haben am nächsten Tag viel vor und gehen beizeiten schlafen.
Am Morgen marschiere ich los um die Duschen zu inspizieren. Nach der Rede des Hafenmeisters erwarte ich nichts Prickelndes. Das muss der Sekt zum Frühstück hinterher liefern 😉
Ein beherzter Schritt auf den Steg – in der Hand noch die Mülltüte – rutsche ich über die feuchte, vermooste Planke und tauche in das überraschend gar nicht so kalte Hafenwasser ein. Na gut, es ist Sommer, auch wenn sich das in den Tagen nicht immer so angefühlt hat. Erschrocken bin ich doch. Und froh, dass ich nirgendwo mit dem Kopf aufgeschlagen bin. Ein Blick um mich herum – hier komme ich nirgendwo hoch. Wie gut, dass Andi an Bord ist und mir sicher zu Hilfe kommen wird: „Andi!!!!“
Verdutzt schaut er aus dem Niedergang und sieht mich nicht sofort: „Danni? Du bist doch nicht im Wasser…???“.
Doch, und nicht nur ich, mein Handy in der Jackentasche auch: „Mein Handy…!“
Lieb, wie er sich über die glatten Holzplanken aufregt, nicht einmal der Vorwurf, ich habe nicht richtig aufgepasst.
Er rettet mich über die Badeleiter.

Ungefähr zu dem Zeitpunkt kommt der Hafenmeister vorbei – gerade recht. Der bekommt erst einmal was zu hören, verweist aber an die Verwaltung. Gut, wollten wir ja eh hin.
Zuerst aber fahren wir mit den Rädern zur Segelkiste. Das bereits in Greena reparierte Segel zeigt weitere Auflösungserscheinungen an den nicht nachgenähten Ösen der Mastrutscher.
Auf Andis Bitte vorsichtshalber alles nachzunähen ist man nicht eingegangen. Die anderen Stellen seien in Ordnung. Denkste. So sind wir wieder auf der Suche nach einem Segelmacher und lassen viel Geld in der Segelkiste, sind doch die Festmacher auch nicht mehr die Besten und gehören vor dem Winter noch ausgewechselt. Wir entscheiden uns für besonders handschmeichlerisches Tauwerk. Es wirkt empfindlicher, aber der Fachmann empfiehlt es. (Ja – weil wir wahrscheinlich bald neues brauchen; das erste Missgeschick ist mir nämlich schon passiert, sodass die ersten Fäden gezogen sind. Grmpf.) Der Segelkistenmann entwickelt sich zum Allrounder und verspricht uns, das Groß am nächsten Morgen abzuholen. Wir wollen ja schon bald für ein verlängertes Segelwochende zurückkehren, dann soll es fertig sein.
Auf dem Rückweg halten wir an der Hafenverwaltung, dort soll jetzt der Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Er ist bereits durch den Hafenmeister informiert und ist bereit, uns einen anderen Liegeplatz zur Verfügung zu  stellen, hat aber nicht die große Auswahl. Einer ist direkt an der Anlegestelle des Ausflugdampfers, hat zwar Strom ist aber sehr unruhig; der andere ist in einem anderen Hafenbecken aber eigentlich viel zu groß für die Hotze. Wir beschließen uns beide Plätze anzuschauen und Bescheid zu geben. An dem zu großen Liegeplatz fühle ich mich gleich deutlich wohler, er ist viel ruhiger gelegen, das Toiletgebouw ist näher, Strom ist da und es läuft kein „Volk“ ‚rum. Hier würde ich mich auch trauen die Fahrräder auszupacken. Andi sieht es glücklicherweise genauso. Der Hafenmeister würde auch diesen Platz wählen und da wir ja neue Festmacherleinen haben, die etwas länger als die Vorgänger sind, ist es beschlossene Sache: Wir ziehen um. Der Segelmacher ist beeindruckt als wir unsere ’neue Adresse‘ durchgeben: „Im Millionenbecken liegen Sie jetzt – da war Ihr Gespräch aber erfolgreich.“ Und tatsächlich – um uns herum liegen nur wertvolle Boote. Und eine Videoüberwachung gibt es auch. Ja, hier liegt die Hotze standesgemäß :-))

Wir haben noch ein weiteres to do in Kiel. Das neu angefertigte Matratzenstück in der Bugkabine hat nicht die passende Festigkeit, was Andi reklamiert hatte. Nun muss das gute Stück aber irgendwie nach Friesland kommen. Da wir kein Auto haben, müssen wir es irgendwie auf den Rädern zur Post bringen. Zum Glück gibt es den offenen Rucksack vom Sup. Den funktioniert Andi um, so dass er die Matratze auf dem Rücken transportieren kann. Er sieht aus, als transportiere er einen Weihnachtsbaum.

Die Entgegenkommenden amüsieren sich. Wir uns auch, aber der Spaß ist am Postamt vorbei. Die freundliche Mitarbeiterin klärt uns über die überschaubaren Kosten auf und empfiehlt uns, die unförmige Matratze in Packpapier einzuwickeln. So liegen wir im Vorraum der Post halb auf dem Boden und verbrauchen meterlanges Packpapier. Dann stellen wir uns wieder in die Reihe um das Teil loszuwerden.
Ein weiterer Mitarbeiter schaut kurz auf das Paket und stellt fest, dass die Post dieses nicht transportieren kann. Waaas?
Es ist zu groß, nicht normgerecht, nicht das richtige Zugmaß, was auch immer, die Post will es nicht haben. Gnädigerweise müssen wir das Packpapier und die verbrauchte Kleberolle nicht bezahlen. Wir stehen sprachlos da mit unserer Matratze. Alternativ fällt uns UPS ein. Wir telefonieren kurz um zu erfahren, dass UPS das Paket für 123 Euro nach Holland bringt. Wie bitte? Wir schnallen Andi das Paket wieder auf den Rücken und radeln frustriert zurück. Wir fahren selbst nach NL!

Tja, vorbei ist die schönste Jahreszeit. Der Himmel weint inzwischen auch und wir lassen es uns noch einmal bei Gosch gutgehen. Am nächsten Tag ruft die Endreinigung und schon sind wir in der Bahn nach Hause. Der einzige Trost: in 3 Wochen sind wir zurück um mit Sonja und Marcus ein weiteres Wochenende in der dänischen Südsee zu verbringen. Hotze, wir kommen wieder!

16.08.2017 Schlei Maasholm

Langsam müssen wir uns auf den Weg nach Kiel machen, dem Endpunkt der Reise und so kommt zum ersten Mal Wehmut auf. Es geht dem Ende zu und wir stellen fest, dass es mal wieder viel zu schnell ging und wir nicht ausreichend Zeit hatten, um alles zu erkunden.

Nach einigen Überlegungen und Sichtung der Wetterberichte für die kommenden Tage, entschließen wir, den Anker doch noch zu heben und verlassen diese wunderschöne Bucht vor Aerosköbing.

Unser Ziel ist Maasholm in der Schlei. Wir schmeißen den Grill an und fahren unter Maschine in den Sonnenuntergang. Das leise Tuckern des Diesels und das Zischen des Fleisches auf dem Grill sind unsere Begleiter, als wir an der Nordküste von Aerö vorbeifahren und die Insel langsam im Kielwasser zurück lassen.

Es liegen ca. 35 sm vor uns, so dass wir gegen Mitternacht in Maasholm sein sollten. So kriegen wir noch ein paar Stunden erholsamen Schlaf, bevor wir dann weiter nach Kiel aufbrechen – so der Plan. Die Überfahrt gestaltet sich traumhaft – beste Windbedingungen bringen uns wieder zurück nach Deutschland.

Ich war noch nie in der Schlei und kenne daher weder die Einfahrt noch das Fahrwasser. Wir kommen wie geplant so gegen Mitternacht an der Schlei-Mündung an. Sie wird in den See-Handbüchern als sehr eng beschrieben und es wird vor dem Flachwasser direkt neben dem betonnten Fahrwasser gewarnt. Verlässt man den Tonnenstrich, sitzt man sofort auf. Das Fahrwasser bzw. die Rinne wird ebenfalls als sehr eng beschrieben, aber eine Nachtansteuerung ist grundsätzlich möglich. Das erinnert mich an Rügen, wo neben dem Fahrwasser die Vögel im Wasser standen.

Wir nähern mich also der Schlei-Mündung und ich versuche die Leuchtfeuer denen in der Karte verzeichneten zuzuordnen. Eigentlich einfach, es soll ein Sektorenfeuer LFL 20S mit den Sektoren WRG geben. Dieses ist auch kaum zu übersehen! Daneben befindet sich ein weiters Molenfeuer Rot – ist noch nicht zu sehen, kann ja noch kommen. Damit man nicht auf die Untiefen vor der Schleimündung aufläuft, gibt es noch eine vorgelagerte Ansteuerungstonne OC(4) – von dort aus bleibt man im weißen Sektor des Sektorenfeuers – das klingt doch gar nicht so schwer.

Wo ist nur dieses OC(4) ich sehe nur ein Q(9) – Q(9)? ein West-Kardinal, an einer Ostküste? Das würde ja bedeuten, dass ich diese zwischen Tonne und Küste befahren müsste. Da muss es doch wenigstens passende Ost, Süd und Nord Kardinalszeichen geben – sonst dürfte ich ja die komplette Ostsee nicht befahren? Es ist kein anderes Zeichen zu sehen und in der Karte gibt es an der ganzen Küste keinen West-Kardinal. Ich nehme die Geschwindigkeit heraus und taste mich langsam vor. Die Tiefen stimmen mit der Karte überein – aber nirgends ist die Ansteuerungstonne auszumachen und der West-Kardinal kommt immer näher – und ich befinde mich östlich von ihm – scheiß Gefühl.

Ich entschließe erst einmal auf die Tonne zuzuhalten und achte auf die umliegenden Untiefen. Des Rätsels Lösung sehe wir, als wir direkt neben der Tonne sind und diese mit dem Suchscheinwerfer ausleuchten. Irgendein Spaßvogel hat die Kennung geändert, vor uns liegt die gesuchte Ansteuerungstonne, getarnt als Untiefentonne! Sehr lustig!

Nun halte ich mich an den weißen Sektor, aber wo ist das rote Molenfeuer? Ich kann nur das Sektorenfeuer ausmachen, dass auf der Stb.-Mole stehen soll. Auf der Bb.-Mole sehe ich nur einen ca. 10.000 Watt-Strahler, der uns blendet und so jegliche Sicht auf die Einfahrt nimmt. So wissen wir selbst wenige Meter vor der Einfahrt in die Schlei nicht, ob wir gleich auf eine Mole fahren oder tatsächlich die Einfahrt vor uns liegt. Als wir endlich die Einfahrt passiert haben, tasten wir uns suchend durch das tatsächlich sehr enge Fahrwasser, das auch nur notdürftig beleuchtet ist. Ein Segen stimmen diesmal die Angaben auf meinem Plotter mit der Realität überein und wir kommen sicher nach Maasholm. Das ganze hat uns zwar zwei weitere Stunden gekostet, die wir hätten bereits schlafen können, aber wir sind froh angekommen zu sein und entschließen uns kurzer Hand vor dem Hafen den Anker fallen zu lassen und fallen ziemlich erschöpft ins Bett.

Die Nacht ist ruhig aber auch kurz. Wir ankern über Fischernetzen, die wir im Dunkeln nicht gesehen haben. Der Fischer scheucht uns auf und so entschließen wir die Chance zu nutzen, legen direkt ab und machen uns auf den Weg nach Kiel. Am Tage sieht die Schlei-Mündung hingegen unspektakulär aus. Ich denke auch, wenn man sie bereits schon einmal bei Tage gesehen hat und die lustigen Scherze der Wasserschutzbehörde kennt, fällt die Ansteuerung bei Nacht wesentlich einfacher…

15.-16.08.2017 Aerö

Nach zwei Tagen in Färborg treibt es uns weiter, wir wollen nach Aerö. Die Insel im Süd-Fünischen Inselmeer soll eine weitere Perle der dänischen Südsee sein. Eigentlich habe wir schon jetzt den Eindruck gewonnen, dass man in diesem Revier nichts falsch machen kann, eigentlich ist es hier überall schön – OK, Grenaa würde ich das nächste mal im Kielwasser liegen lassen…

Der Wetterbericht ist jetzt nicht ideal, aber davon wollen wir uns nicht abhalten lassen. Gales-Warning und 6-7 Bft gegenan lassen die Aussichten auf die Überfahrt nicht gerade rosig erscheinen. Aber inzwischen wissen wir, was die Hotze so auf der Ostsee ab kann und was der eigene Magen so ab kann wissen wir inzwischen auch!

Beim Ablegen sind wir inzwischen ein eingespieltes Team und so verläuft der eigentlich gar nicht so leichte Ableger mit bereits 5-6 Bft von der Seite ohne Probleme. Wir müssen nur warten, bis sich alle Schiffe vor der Tankstelle direkt vor uns sortiert haben. Bei dem Wind das reinste Hafenkino.

Die Überfahrt gegen Wind und Welle lassen wir hauptsächlich durch den Autopiloten erledigen und genießen die Zweisamkeit im geschützten Bereich hinter der Sprayhood in der Plicht.

Wir steuern zunächst eine wunderschöne Bucht bei Revkrog an. Vor einer Kulisse aus Stelküste und Sandstrand ankern wir auf der Leeseite der Insel. Der Wind fegt inzwischen mit den angesagten 6-7 Bft, aber direkt unter Land liegen wir geschützt und schmeißen erst einmal den Grill an und genießen die Abendstunden.

Leider können wir hier aber nicht bleiben, es ist für die nächsten Stunden ein Winddreher um 180 Grad vorhergesagt, dann wird aus der nun so geschützten Bucht eher ein Hexenkessel.

Der Wind lässt nach, dass ist das Zeichen für den Aufbruch. Als wir den Anker gehoben haben, sehen wir am Horizont schon die ersten Gewitterwolken. Wir haben noch 5 sm bis zur Ankerbucht, die wir uns für die Nacht ausgeguckt haben. Das wird ein Rennen mit der Zeit.

Alles klappt, wir kommen trockenen Fußes an, der Anker hält und alles ist gesichert und verstaut, als das Spektakel losgeht. Gewitter, Sintflut artiger Regen, Blitz und Donner direkt über uns. Wir verkriechen uns unter Deck,  machen vorsichtshalber alle elektronischen Geräte aus. Wir trauen uns nicht den Kopf aus der Kajüte zu stecken, so rumst es um uns herum. Wir nutzen die Zei und träumen vom Blauwasser-Segeln, Südsee und schauen schon mal nach geeigneten Schiffen, die darauf warten mit uns die Welt zu erkunden 🙂 So geht die Zeit schnell um und das Gewitter verzieht sich wieder. Uns erwartet eine ruhige Nacht vor Anker!

SUP und Hotze Junior kommen zum Einsatz.

Trotz der vielen Feuerquallen wage ich nun endlich das Experiment und blase mein neue SUP auf. Ich will die Bucht erkunden und vor allem nicht reinfallen, das würde schmerzhaft werden. Die kleinen Bister begleiten uns schon die ganze Zeit und erhöhen nun den Reiz!

Dann erkunden wir noch die Insel und das Städtchen:

Vertrauen ist einfach alles bei den Dänen – Die Wechselgeldkassette offen neben den angebotenen Waren!

13.-15.08.2017 Torö nach Färborg

Nach dem aufregenden Abend und einer recht stürmischen Nacht bleibt es dabei, wir wollen hier nur noch weg, obwohl der Ort sehr schön ist und eigentlich einer Erkundung wert.

Wir genießen aber zuvor noch in Ruhe unser Frühstück und das hat auch gleichsam den Vorteil, dass ich ein paar Schiffe beim Verlassen der Bucht beobachten und mir eine scheinbar machbare Route einprägen kann. Den gleichen Weg raus wie gestern rein wollen wir dann doch nicht nehmen und es bleibt ja dabei, dass man sich hier auf das Kartenmaterial nicht verlassen kann.

Ich gleiche die beobachteten Routen der anderen Boote mit meinen Karten und meinem Plotter ab und es scheint mir so, als müsse ich über das flache Stück, bei dem ich mich gestern bei der Anzeige von 0,00 Metern spontan entschieden habe nach Bb zu drehen, was ja im Nachhinein die falsche Entscheidung war.

Ein bisschen Anspannung bleibt, als wir ablegen und den Kurs aus der Bucht heraus nehmen. Ich halte mich wie die anderen nah an der grünen Tonne, lasse sie ganz knapp an Bb liegen. Die Tiefe nimmt wieder ab – bis auf 0,00 Meter – Bitte jetzt nicht wieder aufsetzen, noch ein paar Meter und ich bin laut Plotter an der Stelle, an der ich gestern abgebogen bin – danach kann ich mich an die aufgezeichneten Kurslinie von gestern halten. Ich achte auf jedes noch so kleine Zeichen, fahre ganz langsam, habe bereits ausgekuppelt und lasse mich treiben, so dass ich jederzeit mit Vollgas rückwärts mich von der vermutlichen Sandbank wieder herunterziehen kann. Die Anzeige verharrt bei 0,00 Meter, dann haben wir es geschafft, die Tiefe nimmt rapide zu – 0,1 – 0,2 – wie sehr man sich über 20 cm freuen kann. Dann bin ich auf der Kurslinie von gestern und halte mich bei der weiteren Ausfahrt daran, diesmal geht alles gut!

Wir wollen nach Färborg, das Wetter ist perfekt für die vor uns liegenden ca. 25 sm. 4-5 Bft in Böen bis 6 treiben uns auf Am-Wind- bis Halb-Wind-Kurs unserem Ziel schnell näher. Gut, dass ich das Groß direkt ins erste Reff gesetzt habe, so genießen wir die Überfahrt bei Sonnenschein und angenehmer Welle auf dem Vorschiff.

Im Hafen in Färborg bekommen wir den perfekten Platz – 1. Reihe mit perfektem Blick auf den Sundowner. Diesen genießen wir in vollen Zügen bei Hotze Tappas und Rotwein.

Das kleine dänische Städtchen und die umliegende Umgebung werden ausgiebig ausgiebig erkundet. Stadtbummel zu Fuß, Radtour nach Dyreborg wir genießen in vollen Zügen und bleiben gleich mal zwei Nächte. Im Hafen finden wir alle Versorgungsmöglichkeiten, alles was das Seemannsherz begehrt und den Geldbeutel schrumpfen lässt. So lassen wir auch noch den Außenborder reparieren, mal schauen, ob wir ihn in dieser Saison überhaupt noch brauchen.

Der Hafen:

Färborg Stadt:

Die Radtour:

auf den Spuren von Dannis Jugend…

 

10.-11.08.2017 Fredericia – Fanö

10.-11.082017

In Fredericia gehen die Kinder nach zwei Wochen wieder von Bord. Wir organisieren die Fahrkarten, packen Sachen, bestellen für den nächsten Morgen ein Taxi und schnüren noch ein Verpflegungspaket für die Rückfahrt. Alles scheint im Plan als wir uns auf dem Bahnsteig verabschieden – dann kommt die Killerfrage von Fabian – „Julian, hast Du Deinen Ausweis eingepackt?“ Zonk! Der liegt natürlich noch an Bord. Na, dann hoffen wir mal, dass Julian auch nach Deutschland wieder rein gelassen wird. Auch seine Bahncard hat er zu Hause liegen lassen und so reist er nur mit einem Foto der Karte auf seinem Handy. Da soll er mal seinen ganzen Charme bei den Schaffnern und Schaffnerinnen spielen lassen. Aber alles klappt und die Kinder kommen gut zu Hause an.

In Fredericia erledigen wir indes alles notwendige. Die Fäden werden gezogen, wir bunkern Lebensmittel für die kommende Woche und machen uns klar für das letzte Teilstück unserer ersten Auszeit-Etappe „Rund Dänemark“. Dabei kommt die Erkundung Fredericias deutlich zu kurz. Aber wir wollen wieder los, uns ist mehr nach einsamen Buchten, Fjorden, Inseln und beschaulichen Städtchen. Da wirkt Fredericia mit seinem Großstadtflair für uns zu unruhig und so gar nicht dänisch. Also heißt es noch am Abend Leinen los. Ziel ist der nur ca. 8 sm entfernte Fanö-Sund. Hier wollen wir die Nacht vor Anker verbringen.

Bei der Hafenausfahrt kommt es dann jedoch noch zu einer interessanten Begegnung. Wir sind es inzwischen gewohnt, dass unser Zubehör bei anderen Seglern in den Häfen und Buchten für Beeisterung sorgt und wir nahezu überall auf Hotze Junior, Fahrräder und Co angesprochen werden, aber die Reaktion des vorausfahrenden Schiffes direkt hinter der Hafenausfahrt toppt dann doch alles bisherige. Ich bin gerade aus der Hafeneinfahrt raus und umfahre die vorgelagerte Untiefentonne, als das vorausfahrende Schiff plötzlich dreht und wild gestikulierend auf unseren Bug zeigt. Sofort schaue ich nach vorne und suche nach einem Problem. „Danni, haben wir eine Leine vergessen? Nicht dass wir die gleich in die Schraube sitzen haben.“ Wir können nichts ausmachen. Da das andere Schiff nicht ablässt uns scheinbar auf etwas wichtiges hinzuweisen, fahre ich näher heran und wir fragen nach. Das Problem ist schnell identifiziert: „Was ist das für ein Beiboot?“ „Wie groß ist es?“ „Wo kann man das kaufen?“ und „Was kostet das?“ Wir müssen schmunzeln, nach dem alle Fragen best möglich beantwortet sind, kommt noch ein „Danke“ und ein „Daumen hoch“, dann gehen wir wieder weiter auf Kurs. Auf dem Weg nach Fanö tauchen dann noch einmal kurz die Schweinswale wieder auf – ich meine es sind die selben wie vom Vortag, sie sehen zumindest genauso aus 😉

Der Anker fällt und wir genießen den ruhigen Abend. Der Sonnenuntergang im Sund bei Rotwein und Tappas ist unbeschreiblich. Das Licht der untergehenden Sonne strahlt die Bäume an den Küsten rechts und Links vom Sund an und das Grün färbt sich satt. Die kleinen Wellen spiegeln das Rot-Orange der Sonne wieder und vervollständigen den Sommerabendtraum – ein echtes Schauspiel.

Der Ankergrund hingegen fühlt sich nicht so vertrauenswürdig an. Ich stelle den Ankerwarner sehr knapp ein, sollten wir uns drehen, möchte ich lieber einmal mehr als zu wenig geweckt werden. In der Nacht kontrolliere ich noch einmal alles aber die Bedingungen sind gut und so verbringen wir eine ruhige Nacht.

09.-10.08.2017 Aebelö – natürliche Schönheit

09.-10.08.2017

Die Überfahrt von Samsö nach Aebelö gestaltet sich mal wieder recht windig. Wir starten noch bei angenehmen 3-4 Bft, aber bereits an der Südküste von Samsö frischt der Wind auf 5-6 Bft- auf. Leider kommt der Wind aus südlichen Richtungen und somit können wir keinen direkten Kurs auf Aebelö anlegen. Ich gehe daher zunächst auf Stb.-Bug Richtung Endelave und hoffe so etwas in die Abdeckung von Fünen zu kommen und die Welle nicht mit voller Wucht aus dem großen Belt ab zu bekommen. Später soll der Wind weiter auf SW drehen, dann kommt er direkt vom angepeilten Ziel Aebelö. Die Welle baut sich mehr und mehr auf und es ist wieder mal diese kurze, steile und somit höchst unangenehme Ostsee-Welle. Kurz vor Endelave wende ich und nehme Kurs auf Fünen, um schnellst möglich in die Landabdeckung zu kommen und somit der Welle aus dem Weg zu gehen. Dies erweist sich im weiteren Verlauf als guter Plan, zumal der Wind weiter zunimmt und zwischenzeitlich messen wir Böen bis 38 Kn (Windstärke 8). Die Segel habe ich inzwischen weiter nach und nach eingerefft und um die Überfahrt für alle so angenehm wie möglich zu gestalten, nehme ich sogar das Groß ganz weg. Mit der kleinen Fock machen wir immer noch zwischen 5 und 6 Kn Fahrt, das sollte reichen. So kommen wir entspannt an der Nordseite der Insel an und finden einen ruhigen Ankerplatz. Die Kinder erkunden schon mal mit Taschenlampe und Funkgerät die Insel, wir grillen und genießen den Sonnenuntergang. Leider müssen wir dann im Dunkeln doch noch mal den Liegeplatz verlagern. Der Wind dreht weiter Richtung West, die Bucht bietet nun keinen optimalen Schutz mehr und der Anker bewegt sich plötzlich über den Grund – keine Chance! Also holen wir den Anker noch einmal hoch, wechseln in die nord-östliche Bucht und gehen an eine Boje. Fabian und Danni haben noch nie an einer Boje festgemacht, also besprechen wir das Manöver bis ins Detail und nachdem alle Leinen richtig sortiert sind, klappt es beim zweiten Anlauf auch auf Anhieb 🙂

Der Ankerwarner kommt natürlich zusätzlich zum Einsatz, dann kann ja nichts mehr anbrennen. So verbringen wir die Nacht in Ruhe an der Boje.

Am nächsten Tag erkunden Danni, Julian und ich die Insel von der Landseite aus. Fabian bringt uns mit der Hotze Junior unter Segel hin und erkundet sie von der Seeseite. Wer Natur liebt ist hier genau richtig. Wunderschöne Bäume, Wiesen, Klippen, Aussichten auf Fünen und die Bucht, ein Wrack und viel viel Natur begeistern uns. Leider macht mein Fuß irgendwann schlapp und ich muss langsam den Rückweg antreten. Wir lassen uns von Fabian wieder einsammeln. Dann müssen wir uns auch langsam auf den Weg machen, wir haben noch ca. 20-25 sm vor uns bis Fredericia. Hier endet morgen der Sommertörn für die Kinder. Sie fahren von dort aus mit dem Zug nach Hause und starten am Samstag mit ihrer Radtour nach Poel. 500 Km in 8 Tagen, das wird eine weitere spannende Geschichte für sich.

Wir haben eine ruhige und sonnige Überfahrt. Der Wind weht mäßig und so können wir hoch am Wind Kurs Fredericia setzen und den letzten Schlag mit den Kindern genießen. Gekrönt wird der Tag noch mit Schweinswalen, die plötzlich an Stb. auftauchen und sogar für uns ein paar kleine Sprünge aus dem Wasser machen. Es ist für mich das erste Mal, dass ich diese „Ostsee-Delfine“ zu Gesicht bekomme. Ihre größeren Brüder aus dem Mittelmeer haben mich auf meinen Touren dort schon häufiger begleitet. Leider ist es nur ein kurzes Vergnügen, dann tauchen sie wieder ab und sind verschwunden.

05.-09.08.2017 Samsö – eine echte Perle

05.08.2017 – 09.08.2017

Am Abend kommen wir nach einer ruppigen Überfahrt auf Samsö an und ankern in der Nordby Bugt. Der Abend und ein unglaublicher Sonnenuntergang entschädigen uns für die unangenehme Welle, die uns den ganzen Tag hin- und hergeschubst hat. Die Ostseewelle hatte ich nicht so in Erinnerung. Das Ijsselmeer hat auch eine kurze und steile Welle, aber im Unterschied zur Ostsee gibt es weniger Fetch und so kann sich die Welle nicht in der Form aufbauen. Wobei ich auch auf dem Ijsselmeer schon 2 Meter Wellen erlebt habe und auch diese waren damals noch mit der Horst mehr als unangenehm. Das sich die Hotze, mit ihren immerhin 10 Fuß mehr, aber so feststampft, kenne ich von Holland oder der Nordsee nicht.

Aber auch bei diesem Wetter entstehen ganz besondere Momente.

Am nächsten Morgen wollen wir nur kurz weiter nach Langör, ein kleiner Hafen in einem sundartigen Bereich von Samsö, ca. 5 sm entfernt. Der Bereich ist gespickt mit Inseln und Untiefen und ist von Sandbänken umrahmt. Die Einfahrt ist gut betonnt, aber es wird gemahnt, dass der Bereich mit äußerster Aufmerksamkeit und Vorsicht befahren werden soll. Beim Frühstück entsteht die Idee, dass Fabian die Strecke mit der Hotze Junior zurücklegt und wir mit der Hotze nebenher fahren. Es werden 4-5 Bft. aus West – also ablandig – vorhergesagt. Knackig für die Hotze Junior, aber wenn er schön unter Land bleibt, ist ja kaum mit Welle zu rechnen. Der Plan wird auch gleich in die Tat umgesetzt. Dann – ein Segen gerade noch vor dem Ablegen – bricht für ca. 30 Minuten die Hölle los. Böen mit 7 Bft. pfeifen uns um die Ohren und ich kann die Hotze Junior mit Fabian im Boot kaum festhalten. Mit viel Kraft und Einsatz können wir sie wieder festmachen und sichern. Da wir den Anker bereits gehoben haben, treiben wir während der ganzen Zeit mit ca. 2 – 2,5 Kn. vom Land weg und kommen so immer mehr in den Bereich, wo die Wellen merklich zunehmen. Wir holen Fabian wieder an Bord und ich ziehe die Hotze Junior erst einmal wieder in die Landabdeckung und somit aus der Welle.

Nach dem der Spuk vorbei ist, überlegen wir lange, ob die Aktion am heutigen Tag noch Sinn macht. Fabian möchte unbedingt und nach Kontrolle  aller Wetterdaten wagen wir einen zweiten Versuch – und es wird ein High-Light der Reise!

Fabian rauscht mit bis zu 4,5 Kn an der Küste entlang und wir begleiten Ihn mit der Hotze. Erst bei der Einfahrt in den Sund trennen sich unsere Wege. Während Fabian die Abkürzung über das Flach nehmen kann, müssen wir den Umweg durch das Fahrwasser nehmen. Die Hotze Junior entpuppt sich als wahre Rennkatze und so ist Fabian auch vor uns da. Der Wind frischt noch einmal auf und kommt jetzt für Fabian von vorne, er müsste also die letzten Meter bis zur Hafeneinfahrt kreuzen. Er entscheidet sich lieber für den einfacheren Weg, kommt zu uns und so nehmen wir ihn wieder an Bord.

Zunächst versuchen wir neben dem Hafen zu ankern, nachdem aber mehrere Versuche fehlschlagen und der Anker einfach nicht halten will, entscheiden wir uns doch in den Hafen zu fahren. Dieser ist aber voll, so dass wir an der Außenseite ins Päckchen gehen müssen – wie sich noch herausstellen wird, wird das eine der schönsten Begegnungen. Wir stören Familie Klein mit unserem Anleger gerade beim Abendessen, was dazu führt, dass unsere Achterleine zwischenzeitlich im Nudeltopf landet.

Familie Klein sind Opa Hans-Peter, Eckart und Iris mit Tochter Clara. Am nächsten Tag wollen sie eigentlich weiter und der Ableger ist schon abgemachte Sache, als Fabian auf die Idee kommt mal zu fragen ob „Jemand von ihnen“ vielleicht Lust hätte mal eine Runde mit ihm in der Hotze Junior zu segeln. Eckart gibt später zu, er wollte erst sagen: Ja klar, hab ich – besinnt sich dann aber und gibt die Frage weiter an seine Tochter Clara. Kurz darauf erkunden Fabian und Clara die umliegenden Inseln im Sund, holen sich zwischendurch noch kurz mal was zu Trinken und alle Utensilien für ein Picknick und genießen den Sonnenuntergang auf einer der Inseln. Familie Klein verlängert spontan den Aufenthalt auf Samsö und so verbringen wir gemeinsam eine wunderbare Zeit. Es werden Badeausflüge mit den Beibooten gemacht, Danni und ich fahren mit den Fahrrädern über die Insel, erledigen die Einkäufe und erkunden den Ankerplatz vom Vorabend (Nordby-Bugt) von der Landseite. Nachmittags genießen wir Kaffee und Kekse bei den Kleins, abends folgt die Gegeneinladung bei uns an Bord. Die Kinder spielen lautstark und machen nach Mitternacht noch eine Mondfahrt mit der Junior im Sund. Schweren Herzens verabschieden wir uns am nächsten Tag auf dem Steg, für Familie Klein geht es weiter Richtung Norden, uns zieht es hingegen in den Süden – Danke Fabian für diese Zusammenführung!

Wir machen uns auf in das nur 10 sm entfernte Ballen, ein Hafen weiter südlich auf Samsö. Wie in den Hafen-/Revierführern angekündigt ist der Hafen sehr voll und wir gehen wieder ins Päckchen. Der Plan ist hier nur kurz einen Arzt aufzusuchen und meine Fäden ziehen zu lassen. Es ist bereits spät, so dass wir heute nur noch kurz zu Abend essen und den Arzt vertagen. Am nächsten Morgen müssen wir feststellen, dass das Ärzte-Netzwerk nicht so engmaschig ist, wie wir erhofft hatten. Der nächste Arzt ist in Toftbjerg im Inland der Insel, dies würde alle Pläne über den Haufen werfen und so entscheide ich, dass die Fäden auch noch ein paar Tage länger drin bleiben können und ich in Fredericia einen Arzt aufsuchen werde, wenn die Kinder bereits auf den Rückweg sind.

Also legen wir früh ab und machen uns auf den Weg nach Aebleö, einer seit den 70er Jahren unbewohnten Insel…

30.07.-05.08.2017 Das berüchtigte Kattegat

30.07.2017

Früh morgens heißt es Leinen los, wir haben uns um 06:00 an den beiden Brücken in Aalborg angemeldet und starten in einen der schönsten Sonnenaufgänge, die ich seit langem erlebt habe, das Farbspiel am Himmel ist unglaublich.

Die Durchfahrt durch die Brücken verläuft reibungslos und so sind wir nun auf dem letzten Teilstück des Limfjords unterwegs, mit dem Ziel „Hals“, dem Ausgang in die Ostsee oder genauer ins Kattegat.

Fabian übernimmt das Steuer und bringt uns sicher Richtung Ausgang des Fjords. Das Wetter zieht sich langsam etwas zu und hin und wieder tröpfelt es auch mal, bleibt aber an sich trocken. So genießen wir die Fahrt, die mehr an eine Kanalfahrt in Holland oder eine Flusstour auf dem Rhein erinnert und sich deutlich vom ersten Teil des Limfjords unterscheidet. Bis Aalborg sind wir über ausgedehnte Seengebiete mit Inseln und sich verzweigenden Fjordarmen gesegelt. Wir haben viele schöne Orte auf diesem Teilstück gesehen, sind uns aber auch sicher mindestens genau so viele verpasst zu haben, so dass wir bereits bei Ankunft in Aalborg für uns den Plan gefasst haben, noch einmal mit etwas mehr Zeit im Gepäck hierher zurück zu kommen. Auf dem Stück von Aalborg zum sog. Hals ist die Landschaft ebenfalls sehr schön, aber es fehlen genau diese Verzweigungen, Seen, Inseln und verwunschenen Ecken und Winkel – es geht halt immer geradeaus zum eigentlichen Ziel Ostsee.

Am Ausgang auf die Ostsee wird in den Revierbüchern vor Strom und je nach Windrichtung vor einer unangenehmen Kreuzsee gewarnt. Die Bedingungen sind aber gut. Der Wind ist schwach (2 – 3 Bft). Als wir den Ausgang erreichen setze ich noch im Schutze des Fjords das Großsegel, damit ich nicht in einer herumschubsenden Kreuzsee auf dem Vorschiff herumturnen muss. Bei dem Übergang in die Ostsee können wir dann nachvollziehen, was mit dem Hinweis gemeint ist. Selbst bei diesen moderaten Bedingungen, entsteht direkt an dem Ausgang eine kurze aus jeder Richtung kommende, sich überlagernde Welle. Mit einer Höhe von ca. 0,5 m ist sie zwar vollkommen harmlos aber die Hotze tanzt trotzdem hin und her, bis sich nach ca. 2 sm wieder ein einheitliches Wellenbild ergibt und die Schiffsbewegungen gleichmäßiger und angenehmer werden. Wir setzen noch kurz die Fock und halten Kurs Süd.

In meiner Kindheit, als ich mit meinem Bruder und meinen Eltern mit unserer Neptun 22, später einer Seamaster 31 auf der Ostsee unterwegs war, kann ich mich noch gut an die Wetterberichte über Funk erinnern, die wir jeden Morgen abgehört haben. Es gab dort immer zwei Gebiete, die sich in mein kindliches Gedächtnis als wahre Sturmgebiete eingeprägt haben. In den Berichten wurden gefühlt immer Sturmwarnungen ausgesprochen und es blies immer deutlich stärker als überall anders auf der Ostsee – das Kattegat und der Skagerak! Wahrscheinlich ist dies nicht durch klimatische Aufzeichnungen zu belegen, aber so ist seither mein Bild von dieser Region der Ostsee.

Nun bin ich tatsächlich im berüchtigten Kattegat und die See ist ruhig, der Wind mit ca. 3 Bft. angenehm.

Habe ich dem Kattegat Unrecht getan? Sind es einfach nur Erinnerungen eines kleinen Jungen der immer respektvoll, vielleicht sogar leicht ängstlich den Wetterberichten über Funk lauschte und sich ein Bild vom stürmischen, grauen und erbarmungslosen Kattegat gemacht hat?

Im Laufe des Tage sollte ich die Antwort darauf erhalten. Das Wetter ändert sich plötzlich. Immer mehr Wolken ziehen auf und es fängt an wie aus Kübeln zu regnen. Der Wind nimmt zu, auf beständige 7 Bft., die Sicht hingegen ab.

Die Welle ist steil und die Wellenfrequenz kurz, sehr kurz. Die Abstände sind so klein, dass die Hotze noch nicht einmal in ein Wellental passt, sie wird hin und her geworfen und stampft sich in den kurzen Wellentälern fest – da lobe ich mir doch die Nordseewelle. Der Regen fliegt waagerecht, die Regentropfen schmerzen im Gesicht und in den Augen, sobald ich einen Blick nach vorne wage. Groß und Fock habe ich inzwischen gerefft, die Böen zerren am Rigg und legen die Hotze immer wieder auf die Seite. Es pfeift und durch den Wind entsteht teilweise tosender Lärm in den Wanten und am Mast. Aber die Hotze läuft gut am Ruder, der Ruderdruck ist ausgewogen und sie bahnt sich sicher ihren Weg durch die Wellen. Ich schalte den Autopiloten ein, lasse von da an ihn die meiste Arbeit verrichten und setze mich in den trockenen und geschützten Bereich unter die Sprayhood. Nur bei dem regelmäßigen Rundumblick bekomme ich noch den vollen Winddruck und den Regen ungefiltert ab.

Fabian ist geschafft, aber wahrscheinlich eher wegen des frühen Aufstehens, als wegen der Wetterbedingungen. Er verschläft den Sturm, als wäre nichts gewesen – gesegnet sei, wer einen solchen Schlaf hat.

Julian geht es leider nicht so gut. Er versucht auch zu schlafen, was aber keine gute Idee ist und so muss ich mich nun auch noch um Schadensbegrenzung und Säuberung in Julians Kabine kümmern. Der Magen kommt mit den kurzen Ostseewellen scheinbar auch nicht so gut klar. Von nun an verbringt Julian die restliche Zeit lieber wieder an Deck – die Pütz wird zu seinem besten Freund.

Aufgrund der Wetterbedingungen und Julians Zustand ändern wir den Plan und steuern auf den näher gelegenen Hafen Bönnerup zu. Der Vorteil ist zusätzlich, dass er auf der Nordküste und somit im Windschatten liegt. ´Mit jeder Seemeile der Annäherung verbessern sich die Bedingungen und die Wellen werden angenehmer. Julian geht es auch wieder besser und als der Motor für die Hafeneinfahrt gestartet wird taucht auch Fabian wieder auf. Wir funken noch kurz den Hafenmeister an, der uns auch gleich einen Liegeplatz zuweist.

Frisch vertäut machen wir eine kurze Bestandsaufnahme. Ich meinte bereits auf der Überfahrt eine Beschädigung am Vorliek des Großsegels gesehen zu haben und eine genauere Untersuchung bestätigt dies leider. Drei Ösen an denen die Mastrutscher befestigt sind, sind eingerissen und müssen dringend repariert werden. Sie sind alle unterhalb des dritten Reffs, so dass ich mit dem kleinsten Tuch noch fahren könnte. Ansonsten ist alles heile geblieben. Der nächste Segelmacher ist nach einigen Recherchen in Grenaa, also muss die Reparatur noch etwas aufgeschoben werden und wir erkunden erst einmal Bönnerup. Es ist sehr schön hier und so entschließen wir spontan noch einen Tag zu bleiben und die Hotze Junior am nächsten Tag klar zu machen und die Gegend zu erkunden.

Am Abend lassen wir den Tag noch einmal Revue passieren und erstellen gemeinsam einen Trailer über das berüchtigte Kattegat:

31.07.2017

Bönnerup will erkundet werden. Als erstes versuchen wir mal Benzin für den Außenborder zu bekommen. Aber die „Tankstelle“ im Dorf gehört zu einem Kaufladen und hat zwar das nötige Benzin aber es gibt keinen Kanister. Schade auch, aber wir haben ja noch ein Segel für die Hotze Junior, also wird das Rigg klar gemacht. Die Kinder legen ab und halsen durch den Hafen Richtung Ausfahrt.

Das Wetter ist sonnig und der Wind angenehm, aber wie sollte es im Kattegat auch anders sein, die Kinder haben gerade den Hafen verlassen, als dunkle Wolken auftauchen, die beiden erst einmal von oben nass werden und die Schauerböen mit der kleinen Hotze abwettern müssen. Ich begebe mich direkt zum Strand neben dem Hafen, vereinbart war, dass sie bei Problemen dort anlegen sollen. Als ich dort ankomme, sehe ich sie auch schon Richtung Ufer paddeln. Sie haben das Segel geborgen und rudern lieber zum Land. Ich entscheide mich kurzerhand ihnen ein Stück im Wasser entgegen zu gehen und Ihnen beim Anlanden zu helfen. Das Wasser ist hier lange flach und so kann ich Ihnen im Wasser ein ganzes Stück entgegen laufen und sie mit dem Boot an Land ziehen.

Auf dem Rückweg passiert es dann, ich trete in eine Scherbe, Muschel, ein Metallteil oder was auch immer. Aber es ist so scharf, dass es meine Ferse umgehend zerteilt. Es schmerzt, ich blute stark und ich ahne gleich, dass das unsere Urlaubspläne wohl noch mal umwerfen wird. Meine Spur vom Strand bis zum Schiff ist für jedermann gut zu sehen.

Nach einer ersten Säuberung durch meinen ausgebildeten Ersthelfer Fabian ist klar, da muss ich wohl mit zum Arzt. Die Wunde ist ca. 4-5 cm tief – na super. Über die 112 und einen medizinischen Notdienst wird alles soweit organisiert. Ich werde im KKH Grenaa angemeldet und soll mir ein Taxi rufen. So lerne ich das dänische Gesundheitswesen kennen und muss sagen, da können sich die Deutschen mal eine dicke Scheibe von abschneiden. Der Taxi-Fahrer schaltet bereits den Taxameter aus sobald wir das KKH-Gelände erreichen, fährt dann aber mit uns noch um einige Häuserblöcke bis zum Eingang. Anschließend geleitet er uns noch hinein und zeigt uns die Anmeldung.

Meine Ankunft wird schon erwartet, ich muss mich an einem Selbstbedienungsterminal kurz registrieren und ein paar Daten vervollständigen, dann spukt der Automat einen Zettel mit einer Wartenummer (900) aus.

Im Wartezimmer ist nichts los, wir sind die einzigen, aber der Monitor zeigt als letzten Patienten die Nummer 5 an. Das kann doch nicht sein, wir hatten ja mit Wartezeiten gerechnet aber so? Dann komme ich mal auf die Idee den Zettel umzudrehen und schon steht da die 006 🙂

Nach ein paar Minuten werden wir auch schon persönlich von der Ärztin aus dem Wartezimmer abgeholt. Sie öffnet unseren Verband, begutachtet die Wunde und erklärt mir, dass sie die Wunde nähen muss. Es folgt eine örtliche Betäubung, eine Wundreinigung, eine Tetanus-Impfung, zwei Nähte und ein neuer Verband. Dann wünscht Sie mir noch eine schöne Zeit in Dänemark und einen schönen Urlaub. Ich frage noch einmal ungläubig nach, ob sie noch Daten von mir bräuchte oder ob ich nicht noch was bezahlen müsste. Sie schaut etwas ungläubig zurück und erklärt mir, dass alles OK sei, Wahnsinn!

Der Taxifahrer hat netterweise auf uns gewartet und fährt uns wieder zurück zum Hafen. Er erklärt uns noch, dass ab 17:00 ein Nachttarif gilt und wir uns nicht wundern sollen, dass daher die Rückfahrt etwas teurer wird. Damit wir aber nicht mehr bezahlen müssen, macht er einfach, als wir den Preis für die Hinfahrt erreicht haben, mitten auf der Strecke den Taxameter aus. Unglaublich! Die Dänen werden mir immer sympathischer.

Aber auftreten und herumlaufen geht im Moment erst einmal nicht, geschweige denn Schwimmen gehen, SUP ausprobieren oder durch Wind und Welle segeln. Ich bin aktuell ziemlich eingeschränkt und wir müssen sehen, was wir noch so an Strecke schaffen bzw. wie wir den Urlaub nun gestalten.

01.08.2017 – 05.08.2017

Am nächsten Tag ist die Wetterprognose perfekt – Flaute, Sonne und perfektes Wetter für eine Überfahrt nach Grenaa. So können wir wenigstens die erzwungene Zeit der Untätigkeit nutzen und das Großsegel reparieren lassen. Fabian legt unter meiner Anleitung die Hotze alleine ab und fährt uns sicher aus dem Hafen. Die Überfahrt ist wie vorhergesagt ruhig und gespickt mit schönen Küstenabschnitten.

In Grenaa angekommen stelle ich  mich kurz hinters Steuer und wir legen gemeinsam an. Wir machen uns erst einmal ein Bild vom Hafen, er ist soweit ganz nett, aber ich stelle schnell fest, dass mein Aktionsradius nicht wirklich über die Hafengrenzen hinaus geht. Nach einiger Klärung bauen wir noch das Großsegel ab und es wird vom Segelmacher im Hafen abgeholt. Leider verstärkt der Segelmacher nicht wie vereinbart alle Ösen, sondern nur die nötigsten, dass sich das nicht mal rächen wird.

Die Tage vergehen ein wenig wie im Flug. Die Kinder gehen Einkaufen, fahren mit der Hotze Junior durch den Hafen und das vorgelagerte Becken, es pfeift aber zumeist mit 4 – 6 Bft, ansonsten spielen wir viel Quartett und Schach und wir vertreiben uns die Zeit mit unserem neuen Spielzeug IMovie und drehen einige Trailer über unsere bisherige Tour.

Der Wind dreht auf West, so dass er nun ablandig kommt und irgend einen undefinierten modrigen Gestank in den Hafen trägt. Nicht das die Gesamtsituation schon ausreichen würde, um einen Hafenkoller auszulösen.

 

Zwischendurch sprechen wir schon mal mit Danni ab, dass sie nicht wie geplant nach Arhuus kommen soll, sondern dass wir uns in Grenaa treffen werden. Bei den Wetterbedingungen mit täglichem Starkwind will ich die Überfahrt mit meinem Fuß nicht wagen. Am Freitag Abend 04.08. kommt Danni mit an Bord und stellt schnell fest, wir müssen schleunigst hier weg! Am nächsten Tag wird noch kurz eine Wäsche angeschmissen und dann soll es auch schon los gehen. Schnell mal eine Wäsche – das gestaltet sich aber etwas schwieriger. Die Maschine ist scheinbar zu voll und geht daher beim Schleudern immer wieder auf Störung – gibt aber in diesem Zustand auch die Tür nicht frei, so dass wir nicht an unsere Wäsche kommen. Nach unzähligen misslungenen Versuchen und einer Menge Geld, die wir immer wieder in den Schlund der Maschine schmeißen ist die Bordkasse geplündert und wir gehen mit klatschnasser Wäsche zurück an Bord. Ich bastle mal wieder Wäscheleinen im Salon und wir trocknen die Wäsche auf der Überfahrt, in dem wir die ganze Zeit über die Heizung laufen lassen und regelmäßig stoßlüften. Diesen Vorgang (Aufheizen und Stoßlüften) wiederholen wir während der Überfahrt etliche Male und am Ende ist die Wäsche doch noch trocken. Ursprünglich wollten wir nach Ebeltöft, aber der Wind bläst uns direkt nach Samsö – da wollten wir eh hin. Nach einer ruppigen Überfahrt legen wir uns abends in der Nordby Bugt vor Anker und genießen den Sonnenuntergang.

Wir testen zum ersten mal den Ankerwarner aus. Fabian und ich studieren die Bedienungsanleitung und Funktionsweise meines eingebauten GPS-Gerätes. Als Söhnke Roever in einem Seminar seinen Ankerwarner vorstellte und ein Foto vom Gerät zeigte, stellte ich verwundert fest, dass ich ja das gleiche an Bord habe. Nun will ich es wissen und bin begeistert, von nun an ankere ich nicht mehr ohne!

Damit verlassen wir nun endgültig das Kattegat und tauchen in die dänische Südsee ein! Es hat seinem Namen und meinen Kindheitserinnerungen alle Ehre gemacht, eine raue Schönheit!

28.-29.07.2017 Endlich wieder los…

Die verlängerte Pause:

Die Zeit war viel zu lang, der letzte Törn mit der Hotze bereits zwei Monate her. Aufgrund meiner Schulterverletzung musste ich die Anfang Juli geplante Tripple-A-Tour (Aalborg, Anholt, Arhuus) mit dem TCB-Sailing-Team kurzfristig leider absagen.  Die Verlängerung des Liegeplatzes in Aalborg stellte ein Segen kein Problem dar.

28.07.2017

Die Vorbereitung läuft schleppend, um genauer zu sein, ich habe noch nichts vorbereitet und bin den ganzen Vormittag damit beschäftigt die Sachen zu packen. Durch den Ausfall der TCB-Sailing-Team Tour, muss ich nun die ganzen neuen Errungenschaften und Zubehörteile im Zug mitnehmen, statt mit dem Auto . Wie bekommt man ein Stand-Up-Paddel-Set, neue Schnorchel-Ausrüstung, Laptop, Bücher, Ersatzteile u.v.m. im Zug bis Norddänemark? Dazu kommen dann noch die persönlichen Sachen für drei Wochen.

Ich fühle mich wie ein Packesel – 55 Kg Gepäck. Ein Segen muss ich nur zwei mal umsteigen und davon nur einmal alleine, bis ich meine Kinder in Padborg mit an Bord nehme. So zumindest der Plan. Aber wie so häufig kommt dann doch alles anders als geplant und so wird die Anreise schon zu einem Abenteuer.

Bis Padborg läuft noch alles nach Plan, der Umstieg in Hamburg verläuft ohne weitere Probleme, nur die vielen Koffer von einem Zug zum anderen zu verfrachten ist halt etwas aufwändiger. In Padborg treffe ich die Kinder wie geplant. Wir fahren über die Grenze, zeigen kurz unsere Pässe und kommen dann in Fredericia an, wo wir noch einmal umsteigen müssen. Zu meinem ganzen Geraffel sind nun natürlich auch noch die Koffer der Kinder und einige Verpflegungstüten hinzugekommen – inzwischen sind wir mehr ein Logistikunternehmen als eine Reisegruppe! Wir kontrollieren daher noch einmal aufs genaueste die Anzeigen auf dem Bahnsteig, aber alles ist sehr gut ausgeschildert und so verläuft der Umstieg ohne Probleme. Im neuen Zug haben wir es uns gerade gemütlich gemacht, alle Sachen fachmännisch verstaut, als der Schaffner uns darauf hinweist, dass wir im falschen Zug sitzen??? Wie konnte das passieren? Wir müssen im nächsten Bahnhof aussteigen und auf den nächsten Zug am Bahnsteig gegenüber warten. Na ja, die dreiviertel Stunde mehr ist zu verkraften, aber das Geraffel geht von vorne los – es heißt wieder Sachen packen und vor allem nichts vergessen.

Also ab in den nächsten Zug, der fährt jetzt aber wirklich bis Aalborg, ist ja auch am Bahnsteig ausgeschildert. Wir machen es uns im Zug bequem und verstauen wieder alle Sachen, im Gepäckfach, unter den Sitzen und überall, wo wir noch einen freien Platz finden – dann schnauben wir durch, wir sind auf der Zielgeraden. Der Schaffner kommt, kontrolliert die Fahrkarten und hat eine wichtige Information für uns – wir sitzen im falschen Zugteil, dieser fährt nicht nach Aalborg, wir müssen in den letzten Wagon umsteigen – na super! Also werden wieder alle Sachen aus den Gepäckfächern und unter den Sitzen hervorgeholt und wir machen uns auf den Weg zum Ende des Zuges. Dort angekommen beginnt die Verstauaktion von vorne. Aber jetzt sitzen wir – durchschnauben und entspannen – wenn da nicht der Schaffner wäre! Wo auch immer er in der Zwischenzeit gesteckt hat,  nun kommt er wieder von hinten und hat eine wichtige Information für uns – hier ist nicht das Ende des Zuges! Wie? Plötzlich öffnet er wie von Geisterhand die hintere Wand des Zuges und bringt einen weiteren Wagon zum Vorschein, viel beeindruckender ist aber, das er während der Fahrt aus der Seitenwand ein neues Führerhaus ausklappt und den Zug für die Trennung vorbereitet. Dieser Prozess geht wirklich schnell und ich denke er hat da auch seinen festen Fahrplan. Wir brauchen definitiv für unsere Logistik wesentlich länger, im Eiltempo müssen wir also unsere Sachen in den hinteren Wagon verfrachten, durch eine schmale Öffnung, die sich immer mehr schließt.  Der Zug wird tatsächlich während der Fahrt getrennt – schon verrückt, was es alles gibt!

Nun sitzen wir aber im richtigen Zug und auch im richtigen Abteil – jetzt kann nichts mehr schief gehen. Wir verstauen die Sachen – inzwischen hat sich eine gewisse Übung und Selbstverständlichkeit eingestellt – wir werden immer professioneller! Jetzt sitzen wir endlich und eine gewisse Entspannung macht sich breit. Fabian und ich spielen eine Partie Schach, welche inzwischen immer spannender werden. Ich muss einsehen, dass die Partien vollkommen ausgeglichen sind und die Investition in unzählige Schachdiplome, die Fabian inzwischen absolviert hat, Früchte tragen und der Bengel dem Papa das Leben auf dem Brett richtig schwer macht. Vollkommen in die Aufgabe der Schachpartie vertieft, verpassen wir dann auch fast unseren Zielbahnhof Aalborg – wie schon da? – jetzt aber schnell. Die Klamotten werden panisch zusammengetragen, jeder nimmt was er tragen kann. Fabian bleibt auf dem Bahnsteig und hält die Tür auf, damit der Zug nicht weiterfahren kann, Julian kümmert sich um den ganzen Kleinkram – Verpflegungstüten, Spiele, Jacken,…, Ich schmeiße die Koffer nach und nach auf den Bahnsteig und hebe beim letzten Gang alle Sachen auf, die Julian in der panischen Flucht aus dem Zug auf dem ganzen Boden bis zum Ausgang verteilt hat. So fliegen nach und nach unsere Sachen im hohen Bogen aus dem Zug und die Kinder sortieren den Haufen auf dem Bahnsteig, zu guter Letzt fliege ich hinterher – der Zug setzt sich in Bewegung und wir hoffen nichts wesentliche vergessen zu haben.

Bahnfahren entspannt einfach!

Wir resümieren – es ist tatsächlich alles mit aus dem Zug genommen worden,  nichts fehlt. Jetzt stehen wir hier in Aalborg, es ist inzwischen 23:00 Uhr, es regnet Bindfäden und wir brauchen dringend etwas Geld und ein Taxi. Der Geldautomat im Bahnhof nimmt meine Karte nicht und der Taxistand vor dem Bahnhof ist menschen- bzw. taxileer – na super – es läuft!

Im Bahnhofsladen bekomme ich zumindest eine Taxirufnummer und ich bestelle ein Taxi mit Credit-Card-Funktion. Am Hafen angekommen, verweigert auch das Lesegerät im Taxi meine Karte – das wäre natürlich der Supergau, wenn jetzt meine Karte kaputt ist. Mit der Eurocard kann ich uns dann ein Segen doch  noch auslösen und wir gehen an Bord. Jetzt würden wir am liebsten alle direkt ins Bett fallen, aber da ist ja noch der Genaker, den Danni und ich bei unserem letzten Trip gewässert haben und der zum Trocknen noch im ganzen Salon und der Bugkabine ausgebreitet liegt. Nach einer aufwändigen Endtüddelungsaktion ist er nach Mitternacht verstaut und wir beziehen noch kurz die Betten, dann heißt es endlich – ab ins Bett – was war das für eine Anreise?

29.07.2017

Am liebsten würden wir sofort die Leinen loswerfen und die ersten Seemeilen im Kielwasser lassen, aber zunächst müssen wir noch die Hotze startklar machen, Geld besorgen, um den Hafenmeister zu bezahlen, und Proviant bunkern. Zum Glück funktioniert die Karte am Geldautomaten der örtlichen Bank und auch im Supermarkt ohne Probleme. Fabian und ich nehmen die Rollkoffer und kaufen erst einmal ordentlich ein.

Das Wetter ist typisch nordisch – Regen, Regen, Regen. Wir werden reichlich nass und am Tagesende zählt meine Fit-Bit über 18.000 Schritte. Nun sind wir gerüstet und planen am nächsten Morgen in der Früh auszulaufen. Wir wollen nach Grenaa, das heißt früh aufstehen. Wir klären noch kurz mit den beiden Brücken in Aalborg die Öffnungszeiten und melden uns direkt um 06:00 an. Abends gönnen wir uns noch den Burger im Hafen – auch die Kinder sind voll und ganz begeistert, er ist einfach lecker!

Zum Abend heißt uns auch das Wetter in Dänemark willkommen!

24.05.-26.05. Aalborg, der nächste Zwischenstopp

24.05.

Langsam geht diese Etappe unserer Auszeit dem Ende zu, aber irgendwie wollen wir das noch nicht so recht wahr haben, stemmen uns dagegen und entscheiden auf dem Weg nach Aalborg noch einen Zwischenstopp in Nibe einzulegen.

Wir werden noch einmal mit schönstem Segelwetter verwöhnt. Sonne und 5-6 Bft treiben uns über den Løgstør Bredning Richtung Aggersund. Mit dem Groß im zweiten Reff schneidet die Hotze nur so durch die Wellen. Etwas Sorgen mache ich mir über den Aggersund, der Wind steht direkt auf den engen Sund und das Wasser wird dort merklich flacher, so dass sich eine unangenehme Welle und ein starker Strom im Sund aufbauen können. An der Ansteuerungstonne hole ich die Segel rein und funke noch mal kurz mit der Brücke, um mich anzumelden. Der Brückenwärter fragt noch kurz nach, wann wir denn voraussichtlich da sein werden. Ich antworte in meinem jugendlichen Leichtsinn – in einer halben Stunde! Dann überprüfe ich noch mal die Entfernung bis zur Brücke – ups, 4,1 sm. Da muss die Hotze mal zeigen was sie kann – und wenn sie will, kann sie!

Strom und Wellen sind dann zum Glück  doch kein Problem – ich glaube, die Hotze ist dafür einfach zu schnell!

Allem Unken meiner Crew zum Trotz, kommen wir lediglich mit drei Minuten Verspätung an. Die Brücke öffnet direkt für uns und wir setzen umgehend wieder die Segel. Nun fühlt es sich eher an wie in Holland – Segeln auf den Kanälen, nur dass der Fjord landschaftlich noch etwas mehr zu bieten hat. Nichts gegen Holland, aber gerade gewinnt halt mal Dänemark!

Danni wird immer lässiger am Steuer und segelt uns einhand durch die Fahrwasser des Fjords.

Nibe ist nett, wir kriegen noch etwas zu Essen, genießen den Sonnenuntergang und am nächsten Morgen nutzen wir die Chance (fließend Wasser direkt neben dem Boot) und spritzen die Hotze schon mal von außen ab. Nach meinem ersten dänischen Eis mit GUF legen wir wieder ab und begeben uns nun tatsächlich auf das letzte Teilstück dieser Etappe.

Die Sonne scheint und zunächst versuche ich es nur mit dem Vorsegel. Der Wind lässt aber deutlich nach und so muss doch noch einmal Vollzeug gesetzt werden. Wir halsen durch den sich schlängelnden Fjord und gelangen so nach Aalborg. Vor der Stadt meint es der Wind noch mal richtig gut mit uns, frischt auf und bläst uns mit 9,5 Kn in die Stadt. Wir legen erst einmal im Vestre Badehavn an einem viel zu kleinen Steg an und warten auf den Hafenmeister.

Der hat uns einen Liegeplatz im Nachbarhafen (Skudehavn) organisiert, der laut aktuellem Hafenhandbuch viel zu flach ist. Der Kommentar des Hafenmeisters dazu: „Ich versuche seit Jahren den Verantwortlichen mitzuteilen, dass der Hafen inzwischen auf 4,5 m ausgebaggert ist.“ Das gleiche Problem besteht mit der angegebenen Telefonnummer des Hafenmeisters, die ist ebenfalls falsch und so landet man im Restaurant. Das Personal kennt das Problem aber und gibt ohne Umwege die richtige Nummer raus.

Der Skudehavn gefällt uns wesentlich besser, irgendwie gemütlicher und die Nachbarlieger sind auch einfach nur nett und versprechen immer ein Auge auf unsere Hotze zu haben.

Den Abend verbringen wir in einem der Hafenrestaurants mit einem Burger, der sich einen Eintrag in diesem Blog wahrlich verdient hat.

Dann geht es erst einmal wieder heimwärts, aber eigentlich wollen wir noch gar nicht und so ist unsere Stimmung etwas getrübt…

… aber wir lassen uns nichts anmerken! 😉

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